• Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Gasversorgungssicherheit erfordert rasches Handeln

Das Land Vorarlberg und die illwerke vkw sind initiativ geworden, um eigenständig einen Beitrag zur Erhöhung der Gasversorgungssicherheit zu leisten. Mit dem größten österreichischen Betreiber, der über österreichische Gasspeicher mit einem direkten Anschluss an das deutsche Gasnetz verfügt, wurde ein Vertrag über die Nutzung eines Gasspeichers mit einer Laufzeit von drei Jahren abgeschlossen, teilten Landeshauptmann Markus Wallner und Energielandesrat Daniel Zadra gemeinsam mit illwerke vkw-Vorstand Helmut Mennel im Pressefoyer am Dienstag, 17. Mai, mit. Zugleich wird an Lösungen gearbeitet, um die Durchleitung der strategischen Gasreserve nach Vorarlberg und Tirol sicherzustellen. Vorarlberg will dafür einen Formulierungsvorschlag zur Ergänzung des Staatsvertrages zwischen Deutschland und Österreich über Gas-Solidaritätsmaßnahmen einbringen.

„Da es in Vorarlberg keine Gasspeicher gibt und auch keine Leitungen über österreichisches Territorium zu den Speichern in den östlichen Bundesländern bestehen, muss die Versorgung für Tirol und Vorarlberg über das deutsche Netzgebiet sichergestellt und auch für den Ernstfall garantiert sein“, betonten Wallner und Zadra. Sie begrüßen daher die geplanten Änderungen im Gaswirtschaftsgesetz, die die Einführung einer strategischen Gasreserve und deren Finanzierung durch den Bund sowie die Aufforderung an die Energiebetreiber, ebenfalls Maßnahmen zur Bevorratung der Gasversorgung zu ergreifen, beinhalten. Vorarlberg wolle aber nicht nur den Gesetzesbeschluss im Parlament abwarten, sondern sei mit dem nun abgeschlossenen Speichervertrag vorangegangen, so Wallner. Das zwischen illwerke vkw und dem Gas-Betreiber vertraglich vereinbarte Speichervolumen beträgt 500 GWh und erlaubt damit eine mehrmalige Saisonspeicherung. Die Bewirtschaftung wird voraussichtlich am 1. Juni 2022 starten.

Um sicherzustellen, dass alle Abmachungen auch im Ernstfall tatsächlich eingehalten werden, legt Vorarlberg zudem Wert auf eine ausdrückliche Ergänzung des zwischen Österreich und Deutschland abgeschlossenen Abkommens über Solidaritätsmaßnahmen zur Gewährleistung einer sicheren Gasversorgung. Das Land wird dafür einen Formulierungsvorschlag einbringen und hat zugleich bereits selbst Verhandlungen mit den deutschen Netzbetreibern, die für eine Durchleitung benötigt werden, aufgenommen, berichtete Wallner: „Wenn wir selbst etwas tun können, dann sollten wir das tun. Es geht darum rasch zu handeln, um die Versorgungssicherheit für den nächsten Winter gewährleisten zu können.“ Die Gasversorgung sei aktuell gesichert, weil die Gaslieferungen aus Russland noch in Europa ankommen, dies könne sich aber jederzeit ändern.

Europa braucht Einigkeit und längerfristig den Totalausstieg aus Öl und Gas

Landesrat Zadra unterstrich die Notwendigkeit eines geeinten Europas, um sich gemeinsam aus der Abhängigkeit von russischem Gas zu lösen. Mit der bereits von der EU-Komission beschlossenen Gas-SOS-Verordnung – einem europäischen Notfallplan für die Gasversorgung – sowie den genannten anstehenden Gesetzesänderungen bzw. bereits durchgeführten Verordnungsänderungen beim Bund und den nun in Vorarlberg gesetzten Schritten haben sich alle drei Ebenen in Bewegung gesetzt. „Nur als geeintes, abgestimmtes Europa können wir dem russischen Machthaber etwas entgegensetzen. Die derzeit notwendige Gasspeicherung ist nur ein Zwischenschritt. Mittel- und langfristig kann es nur einen Weg geben: Den totalen Ausstieg aus Gas und Öl und den Ausbau von Wasser-, Sonnen- und Windkraft“, betonte Zadra und verwies auf die dafür angedachten bzw. bereits eingeleiteten Maßnahmen. In Abstimmung mit dem zuständigen Umwelt- und Energieministerium gelte es den Ausbau der erneuerbaren Energieträger, den Umstieg auf alternative Wärmelieferanten und die Energieeffizienzsteigerung in der Industrie weiter zu forcieren.

Zusätzliches Versorgungsstandbein in unsicheren Zeiten

illwerke vkw-Vorstand Mennel hob hervor, dass die Beschaffung einer Gas-Speicherkapazität durch sein Unternehmen auch Vorteile bei der Diversifikation der Absicherung der offenen Gasbeschaffung bringe. Da der Terminhandelsmarkt für Erdgas derzeit durch eine schlechte Liquidität gekennzeichnet ist, könne am liquiden Spotmarkt sowie am kurzfristigen Terminmarkt Erdgas für die Einspeicherung beschafft werden. „Dadurch schaffen wir uns in unsicheren Zeiten ein zusätzliches Standbein für die Versorgung“, so Mennel.

Foto: Volkspartei Vorarlberg


© 2022 Markus Wallner